konr@d 11/1999
Uwe Zimdars

Die heimlichen Herrscher

Ein unbekanntes Land liegt hinter den Monitoren; es ist voller Daten und Informationen, die allesamt wertlos sind, wenn niemand sie sortiert, sichert und und verwaltet. Die Menschen, die sich darum kümmern, heißen Webmaster, und die Stellenmärkte der Tageszeitungen zeigen, dass die immer gefragter sind. Wir haben die wichtigsten besucht, um zu erfahren, wie ihre tägliche Arbeit aussieht. Und die Fotografin Julika Rudelius hat sie in Szene gesetzt.

Am liebsten mag Uwe Zimdars die E-Mails aus Libyen oder Saudi-Arabien. Gesendet von verzweifelten deutschen Geschäftsleuten, die fern der Heimat nichts sehen konnten von Schumachers Fahrt gegen die Reifenwand oder von Steffis Rücktritt. Wenn die unseren Live-Ticker nicht hätten, würden sie wahrscheinlich ihre Jobs kündigen sagt Zimdars und lächelt, denn Webmaster Zimdars hat den Ticker bei DSF-Online eingeführt. Aber vielleicht lächelt er auch, weil die Männer aus Lybien ihn an seine Jugend in Freiberg bei Dresden erinnern - dort war die Auswahl an Fernsehkanälen auch bescheiden. Jetzt kann Zimdars alles nachholen. Nach einem Praktikum vor knapp einem Jahr blieb er bei DSF hängen, und sie machten ihn, den sympathischen Rot- und Langhaarigen, gleich zum Meister über die größte Sportseite im deutschen Netz. Seitdem sitzt der 30-jährige vor seinem Rechner, UNIX-Befehle flimmern vor seinen Augen und zeigen, was läuft und was nicht auf seiner Site. Inzwischen passiert nicht mehr so viel, sagt er, aber früher, mit den alten Servern, mussten wir ständig irgendwelche Buschfeuer austreten. Jetzt sucht er vor allem Leute und stellt sie ein: Programmierer, Techniker, die sich auch noch reinzwängen sollen in die kleinen flachen Häuschen im Ismaninger Medienpark. Uwe Zimdars sieht sich nicht als Chef, eher als Koordinator, Vermittler, letzte Instanz. Und in den Keller, dorthin wo die Server brummen, geht er nur selten. Denn gegen Abstürze hat man sich dort mit Voodoo gerüstet: An einem dicken Seil baumelt dort eine Pappkatze. Hin und her, wie der Ball beim Tennismatch.